«Wir erleben eine Zeitenwende»

Ulrike Bäuerle, Leiterin ISS Workplace Products and Performance, erklärt, wie im Zeitalter der Digitalisierung attraktive Arbeitswelten entstehen.

Ulrike Bäuerle, Head Workplace Management bei ISS Schweiz

Die Digitalisierung wälzt die Arbeitswelt gerade grundlegend um. Noch vor wenigen Jahren undenkbar, kann man heute seine Arbeit fast von jedem Ort auf der Welt aus erledigen. Ins Büro kommen die einen nur noch, um sich mit Kollegen auszutauschen. Die anderen hingegen schätzen ihren Arbeitsplatz in den Geschäftsräumen. Besprechungen finden in physischer Präsenz statt oder virtuell oder eben hybrid. Was bedeutet das für den Arbeitgeber? Wie soll er die Arbeitsumgebung gestalten, um all diesen Bedürfnissen gerecht zu werden? Und wie fördert er die Kreativität und Produktivität seiner Mitarbeitenden optimal?

Workplace Advisory

Vom internationalen Netzwerk profitieren

 

Antworten auf diese und ähnliche Fragen gibt das ISS Team Workplace Advisory. Ein erfahrenes Team entwirft Designkonzepte für innovative Arbeitswelten, erarbeitet Flächenanalysen samt der daraus folgenden Neuausrichtung von Arbeitsumgebungen und steigert so die Attraktivität bestehender Arbeitsplätze. «Die Stärke von ISS ist es, von der Bedarfserhebung über den Entwurf des Designkonzepts und die bauliche Umsetzung bis hin zum Betrieb die gesamte Dienstleistungskette aus einer Hand anbieten zu können», erklärt Ulrike Bäuerle, Leiterin ISS Workplace Products and Performance.

 

Darüber hinaus greift das ISS Team in der Schweiz auch auf das globale Know-how der ISS Gruppe zurück, die das Thema Workplace Management hoch gewichtet. Im Bereich Workplace Experience ist ISS international sehr aktiv und erfahren. «Gerade eben hat ISS eine Erhebung zum Thema «Office Capacity Planning» abgeschlossen, die international in 23 Ländern durchgeführt wurde. Diese hat die Erfahrungen von ca. einer Million Bürokräften zusammengetragen. Die Erkenntnisse solcher Studien fliessen direkt in unsere Arbeit mit ein», legt Ulrike Bäuerle dar. Die erfahrene Architektin beteiligt sich zudem aktiv am gruppeninternen Erfahrungsaustausch. Das eröffnet ihrem Team den Zugang zum exklusiven Know-how des internationalen Netzwerks von ISS.

 

Attraktive Arbeitswelten

Innovative Prozesse fördern

 

Ulrike Bäuerle hat ihre Laufbahn 2006 beim damals führenden Architekturbüro für Workplace Design in Australien gestartet. Nach sieben Jahren zog es sie zurück nach Europa, wo sie zuletzt während sechs Jahren als Bauherrenvertreterin bei der Porsche AG in Stuttgart wesentlich zur Entwicklung der neuen Arbeitswelt des Autobauers beigetragen hat. Nun stellt sie ihr Wissen und ihre Erfahrung in den Dienst der Kunden von ISS. «In der Arbeitsplatzgestaltung erleben wir derzeit gerade einen disruptiven Moment. Im Zuge der Pandemie haben sich die Veränderungsprozesse, die durch die Digitalisierung angeschoben wurden, um ein Vielfaches beschleunigt. Dieser Realität müssen sich die Unternehmen stellen. Und wir unterstützen sie dabei», erklärt sie.

Unternehmen fragen sich heute, ob der Einzelarbeitsplatz in Büros überhaupt noch sinnvoll ist. Studien zeigen, dass viele Mitarbeitende sich besonders nach der Pandemie nach sozialem Austausch sehnen. Doch auch positive Arbeitserlebnisse tragen wesentlich zum Wohlbefinden bei. «Wenn wir attraktive und intelligente Arbeitswelten kreieren, können Mitarbeitende produktiver und innovativer arbeiten», ist Ulrike Bäuerle überzeugt. Die optimale Flächeneinteilung und das richtige Raumangebot zum Beispiel für Teamarbeit und informelle Meetings sowie Stillarbeit in ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten sind dabei entscheidend. Unternehmen, die dies erkannt haben, schaffen es, auch bei hybriden Arbeitsformen ein Zugehörigkeitsgefühl zu schaffen und so die Unternehmenskultur neu zu formen und zu stärken.

 

Fundierte Analyse

Ausgetretene Pfade verlassen

 

Zum Ziel einer attraktiven Arbeitsumgebung führt immer eine fundierte Analyse. Diese erhebt etwa, wie viele stille Einzelarbeitsplätze sinnvoll sind, wie offene Begegnungszonen effektiv ausgestaltet werden können und ob der Verpflegungsbereich multifunktional genutzt werden soll. ISS Workplace Advisory erhebt den Charakter der Tätigkeiten in den betroffenen Abteilungen des Kunden, untersucht, welche Arbeitstypen bedient werden sollen und bezieht auch die Unternehmens- und Kommunikationskultur des Unternehmens mit ein. Dazu werden Arbeitgeber wie Mitarbeitende befragt.

 

«Unsere Konzeptvorschläge stützen sich dann auf das Projektbudget ab. Ein kreatives Design muss nicht immer teuer sein», betont die Architektin. Gefragt seien vielmehr innovative Ansätze, die ausgetretene Pfade verlassen. Wieso also nicht den Empfangsbereich wie eine Kaffeebar gestalten, um einen Co-Working-Raum erweitern und den bisher stiefmütterlich behandelten Innenhof miteinbeziehen? Das überrascht eintreffende Besucher und schafft völlig neue Begegnungsmöglichkeiten.

Interview

Fünf Fragen an Ulrike Bäuerle

Wie sieht die Arbeitsumgebung der Zukunft aus?

 

Es ist noch nicht klar, wohin die Reise geht. Aber in der Tendenz gewinnen Kollaborations- und Projektflächen sowie Begegnungszonen an Bedeutung, während persönlich zugewiesene, fest eingerichtete Arbeitsplätze eher an Priorität verlieren. Die Pandemie hat gelehrt, dass man überall arbeiten kann. Ins Büro komme ich eher, um den Austausch zu suchen und mit anderen etwa in einem Workshop zusammenzuarbeiten. Die Tendenz geht auch dahin, sich mit Kollegen im Vorfeld zu verabreden, um einen gemeinsamen Bürotag zu erleben.

 

Wie wichtig ist der kulturelle Kontext bei Workplace-Konzepten und wie wirkt sich das aus?

Durch die Digitalisierung wächst auch die globale Zusammenarbeit rasant. Aus Net-Working wurde Net-Worlding. Viele verstehen sich als moderne Nomaden im digitalen Zeitalter. Dies schafft ganz neue kulturelle Aspekte für Unternehmen. Welche Auswirkungen das hat, erforschen wir alle gerade.

Warum sollen Unternehmen Arbeitsplätze so gestalten, dass einzigartige Ort entstehen?

 

Um Mitarbeitende zu finden und zu binden ist ein attraktives Arbeitsumfeld wichtig. Fühlen sich die Mitarbeitenden wohl, arbeiten sie besser und leisten mehr. Da die Bedürfnisse unterschiedlich sind, liegt allerdings auch hier die Schönheit im Auge des Betrachters. Manchmal reichen schon kleine Massnahmen, um Grosses zu bewirken.

 

Ulrike Bäuerle, Sie begannen Ihre berufliche Laufbahn im Workplace Design in Australien? Was waren die Gründe?

 

Ich bin per Zufall zum Workplace Design gekommen. Als ich 2005 das Architekturstudium abschloss, herrschte eine totale Flaute in der Baubranche in Europa. Frisch ab der Uni war es schier unmöglich, einen bezahlten Job zu bekommen. Australien hat damals händeringend Architekten gesucht – I took my Chance. Dass sich in diesem Job meine Affinität für Innenraumgestaltung und hochwertige Innenarchitektur vereinen, konnte ich im Vorfeld nicht ahnen.

 

Seit gut sechs Monaten leben Sie in Zürich? Was gefällt Ihnen? Was vermissen Sie?

Ich bin überrascht über die multikulturelle Vielfalt in Zürich. Neben Veranstaltungen der Expat Community gibt es ein breites Kulturangebot von modern bis traditionell, wie kürzlich das Sechseläuten. Entgegen allen Klischees gefällt mir auch der offene und freundliche Umgang der Zürcher. Bis jetzt vermisse ich wenig. Nur manchmal hätte ich Lust auf einen Teller Schwäbische Spätzle mit einem guten Badischen Wein. Aber dank der hiesigen kulinarischen Vielfalt, entdecke ich ganz neue Leckereien zum Ausprobieren.

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